Sechs Uhr morgens, der Wecker meldet
sich energisch, aufstehen und rein in die Laufklamotten lautet der innere
Befehl. Nichts anderes als die Gewohnheit ist es, die einen diesmal
raustreibt. Signale des Körpers, der nach Ruhe verlangt, werden
geflissentlich übergangen. Bereits geraume Zeit dauert dieser Zustand
an: man fühlt sich schlapp, antriebslos und müde. Es fehlt
die Lust und die Kraft in den Beinen. Ein denkbar schlechter Zustand
für einen Start in die neue Laufsaison. Die Gründe dafür
können vielseitig sein. Die gute Nachricht: sie sind vermeidbar!
Ernährung
Das Phänomen der Frühjahrsmüdigkeit
ist lange bekannt. Obst und Gemüse hat in den Wintermonaten eine
längere Lager- oder Transportzeit hinter sich und zum Teil beachtliche
Mengen von seinem ursprünglichen Vitamingehalt eingebüßt.
Der Körper verfügt über Speicher, die sich allmählich
entleeren können, was sich gegen das Frühjahr hin in Form
von Müdigkeit bemerkbar macht. Eine ähnliche Wirkung hat das
Sonnenlicht, dem wir im Winter weitaus spärlicher ausgesetzt sind
als während der Sommermonate. Es ist verantwortlich für die
Bildung von Vitamin D und hellt im wahrsten Sinne des Wortes die Psyche
auf. Jeder weis wie bedrückend Nebeltage oder ein Arbeitsplatz
ohne den Einfall eines Sonnestrahles sein können. Weniger bewusst
ist der Zusammenhang des Eiweißanteiles der täglichen Nahrung
mit dem Schwung, der Energie und der Regenerationsfähigkeit des
Körpers. Kohlenhydrate sind immer noch sehr groß geschrieben
in vielen Läuferköpfen. Gesunde Ernährung sollte jedoch
nicht nur gleichgesetzt werden mit viel Nudeln, Müsli, Gemüse
und Obst, sondern auch mit der entsprechenden Ration an Eiweiß
in Form von Fleisch, Fisch, Geflügel und Milchprodukten. Und dies
täglich! Der Muskel benötigt die Aminosäuren, aus denen
das Eiweiß zusammengesetzt ist, als Bausteine. Nur wenn die tägliche
Versorgung mit diesen garantiert ist, kann der Körper auf die Trainingsreize
antworten und Ihre Zehnkilometer-Zeit endlich besser werden. Zusätzlicher
Effekt einer ausreichenden Eiweißzufuhr ist auch ein Mehr an Energie
im Alltag. Für Eiweiß hat der Körper praktisch keine
Speichermöglichkeiten.
Eisen
Ein geringer Anteil an (im rohen Zustand) rotem Fleisch, also
Rind-, Kalb-, Schweinefleisch, oder Leber zusammen mit einer hohen Trainingsbelastung
führt bei Läufern häufig zu einer Entleerung des Eisenspeichers
im Körper. Im höheren Maße davon betroffen sind Frauen,
da sie monatlich über die Menstruation Eisen verlieren und mehr
noch als Männer zu einer vegetarischen Ernährung neigen. Die
Folge davon ist ein Engpass in der Bildung von roten Blutkörperchen,
die den Sauerstoff transportieren, und damit ein Absinken der Leistungsfähigkeit,
Atemnot während der Belastung, allgemeine Müdigkeit, Antriebslosigkeit
bis hin zu Depression und Kopfweh. Ein Mangel lässt sich leicht
über eine Blutanalyse feststellen, wobei es wichtig ist den Eisenspeicher
(das Ferritin) kontrollieren zu lassen. Der Wert für diesen Speicher
darf für einen Sportler nicht knapp an der Minimalgrenze liegen,
auch wenn das Labor dies noch als „normal“ bezeichnet. Wenige
harte Trainingswochen oder ein paar Wettkämpfe genügen um
den Speicher vollkommen zu entleeren. Er kann dann nur durch medikamentöse
Behandlung aufgefüllt werden und es dauert drei Wochen, bis wieder
eine normale Anzahl von sauerstofftransportierenden roten Blutkörperchen
vorhanden ist. Eisenmangel ist die häufigste Mangelerscheinung
unter Läuferkreisen.
Training
Ein weitaus banalerer, allerdings genauso häufiger Grund
für das Gefühl von Schlappheit und Motivationsmangel hat seine
Wurzeln in einer falschen Trainingsgestaltung. Bei etlichen Läufern
fehlt die drei- bis vierwöchige Herbstpause, die dem Körper
und dem Geist gleichermaßen Gelegenheit bietet zu regenerieren,
um dann wieder frisch ausgerastet auf die neuen Trainingsreize reagieren
zu können. Wird der Körper das ganze Jahr über immer
den selben Trainingbelastungen ausgesetzt, dann „pfeift“
er irgendwann darauf. Monotonie liegt ihm ganz und gar nicht. Wird nach
einer Erholungsphase die Kondition mithilfe von anderen Sportarten wie
Fahrradergometer, Schwimmen, Walking, Inlineskaten, Schilanglauf, Schitouren
oder ähnlich wirkenden Ausdauersportarten, gemischt mit etwas laufen,
wieder aufgebaut, so wirkt sich dies sehr positiv auf die weitere Entwicklung
aus. Dieses Prinzip wird auch im Spitzensport angewendet. Sowie im Jahresaufbau
Monotonie vermieden werden sollte, so darf sie auch während eines
Wochen- oder Monatszyklus keinen Platz finden. Auch hier hat der Grundsatz
von Belastung und darauffolgender Erholung unschätzbaren Wert!
Mal ordentlich anstrengen um sich dann gut auszurasten bis es wieder
richtig Spaß macht verbessert die Kondition weitaus effektiver
als wenn dem Körper täglich derselbe Druck auferlegt wird.
Pausen sollten groß geschrieben werden! Auch das Tempo der einzelnen
Läufe sollte nicht immer dasselbe sein. Das Prinzip langer, ruhiger
Läufe in Abwechslung mit kürzeren flotten Einheiten hält
Läuferbeine in Schwung.
Hat die Müdigkeit ihren Grund
im Trainingsaufbau, sollten unbedingt zwei Wochen mit sehr wenig Training
eingebaut werden. Das erfordert Mut, ist aber der einzig zielführende
Weg. Danach wird das Training neu aufgebaut über Alternativsport
und langsame Dauerläufe in steigendem Umfang. Nach spätestens
drei Trainingwochen folgt wieder eine Erholungswoche mit lediglich fünfzig
Prozent des Umfanges der Wochen zuvor.
Stress
Körper und Geist sind eine Einheit, auch wenn man es nicht
wahrhaben will, ist es nicht möglich sie zu trennen. Beruflicher
Stress oder privater Kummer kann in der Regel mit dem Reinschlüpfen
in die Laufschuhe nicht einfach zuhause gelassen werden. Probleme und
Überforderung bremsen die Leistungsfähigkeit der meisten Personen.
In einer derartigen Situation ist es wichtig, sich nicht noch weiteren
Stress durch den Sport aufzuerlegen, sondern dem Köper zu erlauben,
einmal etwas schwächer zu sein. Vielleicht entdeckt man wieder,
wie wohltuend und ausgleichend ruhige und in ihrer Länge moderate
Läufe sein können. Sobald die Ursache der Schwierigkeiten
behoben ist, steht einem Neustart aus körperlich erholtem Zustand
nichts mehr im Wege.
TIPPS